Karins M312 auf Mallorca

Wie das Ganze begann

Letztes Jahr war ich Ende April zum Radeln in Mallorca. Eines Abends dann noch gemütlich draußen gehockt, kamen 2 Radfahrer mit Badschlappen u. M312 Finisher Medaille um den Hals angeschlappt, um dort noch eine Pizza zu essen. Ich erfuhr dann, dass diese beim M312 mitgefahren sind, welcher an diesem Tag stattfand. Mir sagte der M312 leider gar nichts, aber am selben Abend war für mich dann klar, dass ich im nächsten auf jeden Fall auch dabei sein möchte.  Mir war nicht bewusst wieviel km u. Höhenmeter eigentlich zu bewältigen sind.

Harry Fürst (fuhr letztes Jahr auch mit) hatte dann dazu ja einen total netten und inspirierenden Artikel veröffentlich und ich war Feuer u. Flamme und mein Plan stand.

Das ganze letzte Jahr ließ ich dann kaum eine Gelegenheit aus, um die notwendigen Kilometer und Höhenmeter zu sammeln.

Mein Trainingsplan

Mein Plan war ursprünglich, über den Winter durchzufahren und immer wieder übers Wochenende nach Mallorca zum Radeln zu fahren, da das Rennen mit Termin 27.04.2019 doch sehr früh in der Saison startete und bei uns das Klima im Winter nicht so taugt.

Mitte Dezember 2018 flog ich dann das erste Mal auf die Insel und fuhr an dem dortigen Wochenende den Puig Major (der auch Teil der Rennstrecke war) und noch ein paar andere Hügel. Es folgte dann noch ein Wochenende Anfang Januar, nach dem ich hinterher erstmal richtig erkältet war. Ende Januar brach ich mir dann noch die Hand beim Langlaufen. Im Krankenhaus sagte mir man dann, ich bräuchte 4 Wochen einen Gips, dann ist alles wieder ok. Hinterher musste man dann doch operieren und für mich war eigentlich klar, die Fehlzeit von 4 Wochen kann ich im Training nicht mehr aufholen und hatte gedanklich schon fast mit dem M312 abgeschlossen.

Da ich schon im Voraus Flüge für den Februar gebucht hatte, hatte ich dann selber den Gips einen Tag vor Abflug abgemacht, um zu sehen, was meine Hand so macht und ob ich überhaupt am Tag später fliegen (und vor allem Radfahren) kann. Der Arzt schaute zwar etwas komisch, als ich am nächsten Tag ohne Gips kam –  ich aber dafür bin abends wieder nach Malle zum Radfahren. Das ging auch besser als ich dachte und weiter ging es mit meinem Training. Meine größte Angst war, dass ich es in der geplanten Zeit von 14 Stunden nicht schaffe. Abzüglich Pausen hätte ich etwa einen 24er Schnitt auf die ganze Strecke gebraucht. Davon war ich im Training immer weit entfernt und ich habe dann in Folge jedem, der es hören wollte (oder auch nicht) vorgejammert, dass ich in der jetzigen Durchschnittszeit das Rennen nicht schaffen kann. An jedem Berg im Training habe ich mich gefragt, wie ich bloß auf diese blöde Idee kommen konnte, mich für so ein langes Rennen anzumelden. Viel zu langsam und eigentlich bin ich absolut kein Bergfahrer. Und eigentlich war das Ganze für mich eine Nummer zu groß. Mitte März dann nochmals an zwei Wochenenden nach Malle geflogen. Endlich hatte ich das Gefühl am Berg schneller zu sein als davor. Zwei Wochenenden hintereinander bin ich ganz gut gefahren und hatte dann (endlich) das Gefühl, ich kann die 312 km doch irgendwie in der Zielzeit von 14 Stunden schaffen. Bis zum Rennen hatte ich dann 3.500 km (in 2019) gefahren, letztes Jahr hatte ich 9.700 km.

Das Rennen selber

Am 25.04.2019 abends dann nach Malle geflogen – Freitag dann gemütlich nach Muro hochgefahren (wo das Rennen auch stattfand), um dort noch in aller Ruhe die Startunterlagen abzuholen.

Am Morgen des Rennens war ich schon vor 5 Uhr wach – bin dann aufgestanden – mein Plan sah ja eh vor, dass ich spätestens um 6 Uhr am Start stehen wollte, um nicht so spät aus dem Startbereich rauszufahren. Um 6 Uhr wars noch ziemlich dunkel, als ich zum Startbereich fuhr (ca. 1 km vom Hotel weg) – aus allen Seiten kamen dann schon die ganzen Radler angefahren, um ebenso wie ich zeitig am Start zu sein. Kurz bevor es losging, kam dann noch Franz Graf (viele kennen ihn unter „Malle Franz“) und gab mir noch ein Getränkepulver für meine Radflasche. Wir hatten dann noch ausgemacht, dass er mich in „Arta“ abpasst u. mit mir gemeinsam die letzten 30 km zum Ziel fährt.

Karin und Franz Graf

Dann gings auch schon los, die ersten 30 km waren komplettes Flachland und es rollte super in der Gruppe. Herausfordernd fand ich die Tatsache, dass ich immer jeweils von links und rechts überholt wurde und auch im Kreisverkehr gleich links eingefahren wurde. Das war erstmal Gewöhnungssache und ich musste ziemlich aufpassen, dass niemand in mich reinfuhr.

Dann gings den Anstieg Kloster Lluc hoch und durch die Tatsache, dass die komplette Rennstrecke für den Autoverkehr gesperrt war, hatte man trotz der vielen Teilnehmer genug Platz zum Fahren. Nach Lluc gings wellig weiter und dann hoch zum Puig Major. Die erste Verpflegungsstation nach ca. 56 km ließ ich links liegen und hatte ca. nach 100 km die 2. Verpflegungsstation erreicht. Dort war extrem viel los – die Räder standen überall und ich musste erstmal einen Platz finden, wo ich das Rad kurz hinstellen kann. Eigentlich wollte ich kurz auf Toilette, Flaschen füllen, kurz was essen und weiter. Das war gar nicht so einfach, es war ein ziemliches Gedränge, egal, wo ich hinwollte und jeder hatte den gleichen Gedanken wie ich. An den Verpflegungsstationen gab es so ziemlich alles, was ein Sportlerherz begehrt: Cola, Bananen, Riegel, Gels, belegte Sandwichs mit Nutella, Kuchen, Nüsse und und und…

Die Strecke selber war sehr kurzweilig, es gab immer was zu sehen und auf den ersten 150 km ging es eh nur bergauf und bergab! Ich wunderte mich selber, dass es am Berg dann doch besser lief wie zuerst vermutet. Kurz vor dem letzten Berg stand dann auf einmal Franz Graf am Straßenrand und fuhr mit mir den (vorerst) letzten Berg hoch. Da hatte ich dann 10 min. ein kleines Tief (und auch genug von den ganzen Bergen) und fragte mich dann, ob ich vielleicht doch in der ersten Hälfte zu schnell gefahren bin! Oben am Berg angekommen, ging es runter und dann wurde es flach und mein kurzes Tief war vergessen. Ich hatte eine gute Gruppe erwischt und es ging zum Teil über 40 km/h übers Land und machte einfach nur Spaß, dort mitzufahren. Franz hatte auch sichtlich seinen Spaß, einmal fuhr er an allen vorbei und führte die ganze Gruppe an – alle hinter ihm mit ihren ganzen Hochprofilrädern, das war ein Bild für Götter. Bei km 220 kam dann die Abzweigung zum Hotel (für diejenigen, die die 225 km Route fahren wollten) – und Franz fuhr dann ab. Ab da an war ich ziemlich auf mich alleine gestellt – es waren nicht mehr so viele Radler auf der Strecke, an die ich mich hängen konnte. Von da an wurde es zeitweise auch ziemlich zäh, da die Strecke dann noch ziemlich wellig wurde und ich die Wellen nicht mehr so einfach wegdrücken konnte wie am Anfang. In „Arta“ dann meine letzte Pause eingelegt, dort war Volksfeststimmung pur. Dort war dann Alberto Contador – ich war mir nicht sicher, ob er das war und musste erstmal nachfragen. Nach dem 3. Anlauf hatte ich dann ein schönes Bild mit ihm als Erinnerung und weiter ging es dann noch auf die letzten 30 km.

Karin und Alberto Contador

Von Müdigkeit keine Spur, klemmte mich noch ans Hinterrad von einem Radler und bin mit 35 km/h ins Ziel eingefahren. Mit einem Gesamtschnitt von 26,7 km/h auf die 312 km konnte ich mein Glück schier nicht fassen, wie ich das überhaupt geschafft hatte. Vermutlich hatte ich einfach einen guten Tag, das Wetter war perfekt mit viel Sonne und nicht so viel Wind. Ich kann die Veranstaltung jedem nur empfehlen, es war perfekt organisiert und es fehlte an nichts. Selbst mit dem Wissen, daß das 1. Mal immer besonders ist, und das hinterher nicht mehr getoppt werden kann, fahr ich nächstes Jahr vielleicht nochmals mit.

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